„Kollektivbeleidigung 2.0“ oder „Wie Kölner Empfindlichkeiten die Jecken entlarven“

Der geliebte Erzrivale ist ja gemeinhin für seine nahezu unschlagbare Witzigkeit bekannt. Das geht sogar so weit, dass bereits im Jahre 1993 die sogenannte „Witzfigur Tünnes“  im Rahmen einer „Stunksitzung“ eine Kruzifixinschrift betiteln durfte, weil im Karneval ja irgendwie noch mehr alles erlaubt ist, als dies in Köln eh schon der Fall ist. Dass die Sache zunächst ein Strafverfahren nach sich zog, wurde im Nachhinein als geradezu grotesk bewertet, es gilt ja schließlich die Freiheit der „Kunst“ zu wahren. Entsprechend positionierte sich damals jedenfalls die Presse (vgl. z.B. http://www.zeit.de/1993/37/dat-schild) und begrüßte die Entscheidung, dass das Verfahren mit einem Freispruch endete.

Wehe aber, wenn es um Fußball geht. Da versteht der humorvolle Kölner plötzlich keinen Spaß mehr. So geschehen im Rahmen des Kicks bei Viktoria Köln im DFB-Pokal im Oktober 2015. Die Steilvorlage, dass man in Köln antreten musste, wurde durch einige Bayeranhänger aufgenommen und ein Transparent gehisst, auf dem vermerkt war „Jeder Kölner ist ein Hurensohn“. Es dürfte wohl ziemlich klar sein, dass es sich bei dem Inhalt des Transparentes um einen kollektiven Angriff vor allem auch auf die nicht im Stadion befindlichen FC-Fans handelt.

Allerdings wird heutzutage beim Fußball allzu gern die große Strafrechtskeule geschwungen und so ist es eigentlich nicht verwunderlich, dass plötzlich die Bayerfans Aligheri und Pit (Namen von der KHL geändert) Post bekamen, weil sie irgendwen beleidigt hätten. Was zu diesem Zeitpunkt noch spannend war, nämlich wer denn eigentlich genau beleidigt wurde,  wurde im Laufe des Verfahrens, das den beiden danach blühte, niemals aufgeklärt. Klar wurde nur, dass offenbar das Transparent zu „Unmutsbekundungen“ beim Kölner Publikum führte. Daraufhin fühlte sich eine Führungsperson des Vereins dazu ermächtigt Strafantrag zu stellen. Auch die Ermittlungsbehörden hielten ihn offenbar für geeignet. Wohlgemerkt, antragsberechtigt im Rahmen von sogenannten Antragsdelikten, also solchen Straftaten die ohne den Antrag nicht verfolgt werden können, ist ausschließlich der Geschädigte. Ob der hier antragstellende Herr überhaupt Kölner ist und so von dem Transparent umfasst sein konnte, wurde nicht oder zumindest nicht erkennbar geprüft.

Die zuständige Staatsanwältin sah offenbar auch nicht übermäßig viel Bedarf, den oder die Geschädigten konkret zu bezeichnen, jedenfalls findet sich in der Anklage, die sie erhob, kein Wort zu der Frage, wer denn eigentlich der Beleidigte ist.

Nunmehr waren also Aligheri und Pit angeklagt vor dem Amtsgericht Köln. Die Versuche der Verteidiger der beiden, das Gericht davon abzuhalten, das Verfahren zu eröffnen, blieben erfolglos. Stattdessen folgte eine bizarre Auseinandersetzung um die Frage des Gerichtstermins. Irgendwann allerdings war dem Gericht – offenbar auch im Lichte der neueren Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts – wohl doch etwas mulmig und aus heiterem Himmel folgte das Angebot, das Verfahren ohne Auflage und bei voller Kostenlast auf Seiten des Staates einzustellen.

Nachdem Aligheri und Pit wegen des Vorfalls nicht nur das Verfahren sondern ob der von ihnen ausgehenden immensen Bedrohung für die Gesellschaft auch noch ein bundesweites Stadionverbot am Hals hatten, einigte man sich schließlich darauf, dass man einer Einstellung zustimmen könnte, wenn der Verein sein Stadionverbot zurücknehme. Auch dieser Vorgang lief nicht ohne weiteres Stolpern ab, letztendlich konnte das Kapitel aber nunmehr geschlossen werden und die beiden jungen Männer dürfen wieder ihrer Leidenschaft nachkommen.

Festzuhalten bleibt, dass in Köln zwar sogenannter Humor und die Freiheit der Kunst groß geschrieben werden. Schwierig wird es aber offenbar dann, wenn es um Fußball geht oder aber, wenn man selbst Opfer eines Angriffs wird…

Gemeinsame Stellungnahme der Kurvenhilfe Leverkusen und der Fan-Hilfe Mönchengladbach

In den letzten Tagen erreichte einige Anhänger der aktiven Fanszene von Bayer Leverkusen unangenehme Post der Polizei. Gegen Teile der Stadionverbotler – aber auch gegen Personen ohne Stadionverbot – wird für das Auswärtsspiel der Werkself in Mönchengladbach ein Stadtverbot für das gesamte Stadtgebiet in Mönchengladbach ausgesprochen! Dass Stadtverbote einen massiven Eingriff auf die persönliche Bewegungsfreiheit eines jeden Menschen ausüben, diesen in seiner Freiheit und in der Auslebung seiner Passion einschränken und die bloße Tatsache eines Stadtverbotes die betreffenden Personen pauschal kriminalisiert, denunziert und unter Umständen vor dem Arbeitgeber, der Familie, Freunden und Verwandten bloßstellt, wurde in der Vergangenheit häufig angeprangert und den entsprechenden Behörden dargelegt. (http://www.nk12.de/stadioneck-bleibt-heute-geschlossen/)

Die nun ausgestellten Stadtverbote stellen allerdings einen neuen Höhepunkt der Unverhältnismäßigkeit dar. Die Polizei begründet die Stadtverbote unter anderem damit, dass „das Verhältnis zwischen den Problemfangruppen von Borussia Mönchengladbach und Bayer Leverkusen aus polizeilicher Sicht als rivalisierend eingestuft wird.“ Dieser Einschätzung widersprechen wir als Rechtshilfen der zwei Fanszenen vehement. Beide Lager pflegen seit Jahren ein ziemlich neutrales Verhältnis. Von rivalisierend oder gar feindschaftlich kann hier keine Rede sein. Zwischen den Ultrágruppen gibt es einige persönliche Kontakte, weshalb Ausschreitungen oder ähnliche Horrorszenarien am Samstag mehr denn je auszuschließen sind! In der Vergangenheit haben Stadionverbotler beider Vereine die Spiele sogar gemeinsam verfolgt. Darüber hinaus werden die Stadtverbote mit Vorkommnissen und Ereignissen begründet, bei welchen es weder zu Straftaten, noch zu Ermittlungsverfahren gekommen ist, geschweige denn die betreffenden Personen rechtskräftig verurteilt wurden. Eine bloße Personenkontrolle an einem Spieltag vor mehreren Jahren ist also einer der Gründe weshalb man es im Jahre 2016 als legitim erachtet, die Bewegungsfreiheit von nicht vorbestraften Fußballfans einzuschränken.

Beim letzten Aufeinandertreffen unserer Vereine in Mönchengladbach kam es nach dem Spiel zu Auseinandersetzungen zwischen Leverkusener Anhängern und der dort eingesetzten Polizei. Grund hierfür war eine verbale Auseinandersetzung eines Gladbacher und eines Leverkusener Fans, im Zuge dessen die eingesetzten Beamten unverhältnismäßig und augenscheinlich übermotiviert unter Einsatz von Pfefferspray und Schlagstöcken einschritten. Wir können uns vorstellen, dass diese Vorkommnisse unter anderem als Grund für die ausgesprochenen Stadtverbote in internen Polizeikreisen aufgeführt werden. Wer nun denkt, es trifft bei den betroffenen Personen nur diejenigen, die an dieser Auseinandersetzung beteiligt waren, liegt falsch. Es trifft willkürlich Personen aus der gesamten Fanszene. Unabhängig davon ob der Betroffene an diesem Tag überhaupt in Mönchengladbach anwesend war oder bei den genannten Vorkommnissen „mitgemischt“ hat oder nicht.

Als Fanhilfen hinterfragen wir an dieser Stelle deutlich den Sinn der ausgesprochenen Stadtverbote und lehnen selbige strikt ab! Die Fanhilfen aus Mönchengladbach und Leverkusen fordern von den Behörden einen besonneneren Umgang mit Stadtverboten – wenn schon nicht auf deren Aussprache verzichtet wird. Das hiesige Vorgehen rechtfertigt die Annahme, dass von Teilen der Exekutive Anmaßungen und Beurteilungen durchgeführt werden, welche sich nicht nur fernab jeder Realität bewegen sondern auch zeigen, dass man über Sachverhalte urteilt und richtet, von welchen man bei den entsprechenden Behörden ganz offensichtlich weniger Ahnung hat, als man es gerne außerhalb darstellt. Es wird deutlich, dass hier mit reiner Willkür versucht wird, den Fans weiter ihre Freude am Fußball zu nehmen und diese an der Auslebung ihrer Leidenschaft zu hindern.

Es ist und bleibt zu verurteilen wie in Deutschland mit Fußballfans umgegangen wird!

Weitere Informationen zu den Vorkommnissen in Augsburg

Am gestrigen Samstag, den 05. März 2016 spielte unser Bayer beim FC Augsburg. Wie bereits gestern auf unserer Facebook-Seite angekündigt, gab es einen, aus unserer Sicht überzogenen, Polizeieinsatz und eine unter Gewalt angedrohte, länger andauernde Personalien Feststellung. Die Kurvenhilfe Leverkusen war bei den gestrigen Vorkommnissen in Augsburg ebenfalls vor Ort und möchte an dieser Stelle kurz über die Hintergründe des Polizeieinsatzes berichten. Wir bitten um Verständnis, dass wir aufgrund wohlmöglich anstehender Verfahren nicht all zu sehr auf Details eingehen werden. Weiterlesen

Pressespiegel 01.12.2015

Blau Weiß Rote Hilfe: Ungebetener Hausbesuch bei Hasso

Schwarz-Gelbe Hilfe: Freispruch im Fall einer gestohlenen Zaunfahne

Faszination Fankurve: Nordwestkurve Frankfurt zur Sicherheitsdebatte

Faszination Fankurve: Geldstrafe wegen „ACAB“ in Fangesang

Fanhilfe Hannover: Stellungnahme zu den Ereignissen auf der Anreise zum Auswärtsspiel in Mönchengladbach

Mainzer Fanhilfe: Polizeikontrolle in Köln

Legal Tribune Online: Foto mit Aus­weis ohne Tat­ver­dacht rechts­widrig

Faszination Fankurve: Polizei sorgt für Gästeblöcke ohne Ultras

Faszination Fankurve: Piraten stellen Fragen zu Fan-Dateien

Kölsche Klüngel: Feststellung von IMEI-Nummern rechtswidrig

Eiserne Hilfe: Tatbeobachter beim Fußball

SZ-Online: Gericht: Stuttgart-21-Polizeieinsatz war rechtswidrig

Schwarz-Gelbe Hilfe: Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte – Bücher lesen statt Straßen fegen

Königsblaue Hilfe: Auswärtsderby 2015 / 2016

Faszination Fankurve: Polizeikontrolle wurde zu Sicherheitsrisiko für Fans

NOZ: VfL-Besucher beklagen Schikanen und Willkür der Polizei